Andacht: Suchet der Stadt Bestes!

Andacht zum Monatsspruch Oktober:

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. (Jeremia 29,7)

Liebe Leserinnen und Leser, es geht in diesem Vers um die Verantwortung von Christen in der und für die Gesellschaft. Der Vers stammt aus einem Brief, den der Prophet Jeremia an die Israeliten in Babylon geschrieben hatte. Ihr Land war erobert und sie waren in das Land ihrer Eroberer deportiert worden. Eine unbekannte Situation war das für die Israeliten gewesen. Wie sollten sie sich in der Fremde verhalten?

Es gab zwei Möglichkeiten:

1. Einigeln, ihr Privatleben pflegen, sich um die jüdischen Nachbarn kümmern, mit Gott und in der Gemeinde die Gemeinschaft pflegen. Ihn bitten, dass er sie möglichst bald aus Babylon befreit. Und sonst Babylon Babylon sein lassen, so wenig wie möglich in der Öffentlichkeit auftauchen. Geht es dem Land gut, was kümmert's uns. Geht es ihm schlecht, umso besser, dann können wir bald wieder heimkehren.

2. In den Widerstand zu den Babyloniern treten, Feindseligkeiten gegen die babylonische Bevölkerung schüren, ihre Einrichtungen sabotieren, boykottieren, Schäden anrichten, wo es geht. Vielleicht werden sie mürbe und lassen uns gehen.

Jeremia schreibt ihnen eine 3. Möglichkeit: Bringt euch ein, tragt das Eure dazu bei, um die Gesellschaft zu fördern, bringt Euch als Juden ein, die Gottes Willen und die Gebote kennen und tragt damit zu einer positiven Veränderung in der babylonischen Gesellschaft bei. Betet für das Land Babylon und ihre Menschen, ihre Wirtschaft, ihre Politiker. Jeremia erinnert sie an ihre Verantwortung in der Gesellschaft als Juden und Gottes Kinder.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Entsprechend dem Auftrag, den Jesus Christus seinen Jüngern und Nachfolgern gegeben hat, Salz der Erde und Licht in der Welt zu sein, haben wir für unser Land, unsere Stadt und unsere Gesellschaft eine Verantwortung. Jesus Christus hat sie uns übertragen.

Wie nehmen wir Christen sie wahr?

Um alles zu erwähnen, reicht der Platz hier nicht. Darum will ich mich auf einen Bereich beschränken:

Der betrifft unser Reden. Das Klagen und Schimpfen über die Regierung hat Konjunktur. Es ist die verbale Form, zu sabotieren und Schäden anzurichten. Und es hat seit dem Beginn der Coronakrise nochmal an Fahrt zugenommen. Aber auch über andere Einrichtungen in unserem Land, dem Gesundheitswesen, Pflegeheime, Bildungswesen und andere, höre ich oft unberechtigtes Schimpfen. Das Schimpfen geschieht bei uns auf einem außerordentlich hohen Niveau. Ein Extremfall, den man zur Zeit manchmal hören kann: Da bezeichnen Menschen die Bundesregierung angesichts der Corona-Maßnahmen als „Diktatur“. Wer so redet, handelt verantwortungslos und realitätsfremd!

Für Christen sind solche Formen von destruktiven Äußerungen tabu.

Der Auftrag, den Christen in der Gesellschaft, im Land bzw. ihrem Heimatort haben ist:

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn.

Es gibt Dinge, bei denen Kritik angebracht ist. Auch in unserem Land gibt es viele Baustellen. Und die werden nie aufhören. Aber Mängel und Missstände werden nicht durch Schimpfen und Klagen verändert, sondern indem man sich einbringt und für Veränderung einsetzt. Das ist ein mühsamer Prozess, der Kraft, Liebe und Geduld erfordert. Aber er führt zum Ziel. Unreflektiertes Schimpfen und Klagen, und sich dabei zurückziehen, das ist der bequeme Weg.

Christen haben den Auftrag, sich einzubringen, sich für Verbesserungen einzusetzen, wo es ihnen möglich ist, und vor allem, für die Regierung, egal ob Landes- oder Kommunalregierung, für die Verantwortungsträger, für die Einrichtungen und die Leute, die dort arbeiten, zu beten - immer wieder sie im Gebet vor Gott zu bringen. Denn wer betet, dem vergeht das Schimpfen.

 

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfr. Eckehard Graubner