Andacht Oktober und November 2019

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu
Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Mi 4,3)

30 Jahre friedliche Revolution! Die Geschehnisse von 1989 haben viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, hautnah miterlebt. Sie haben erlebt, wie Friedfertigkeit eine ganze Diktatur besiegte.

„Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete“, fasste das Mitglied des SED-Politbüros Horst Sindermann die Herbsttage 1989 zusammen. Es ging nicht von heute auf morgen. Die Friedensbewegung brauchte einen langen Atem. 1980 fand die erste Friedensdekade statt. Nach und nach beteiligten sich einzelne Menschen und Gruppen. In Leipzig etablierten sich die Friedensgebete. Auch andernorts fanden sie nach und nach statt. Gebete und sichtbares Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit. Die Betenden gingen mit Kerzen statt mit Steinen auf die Straße. Sie demonstrierten friedlich. 1989 zahlte sich der lange Atem dann aus: Die Mauer fiel. Kerzen und Gebete – wie im Traum.

Stell dir vor, es ist Frieden – und alle machen mit. Wir leben heute in einer Zeit, wo der Frieden wieder leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. In der großen Politik durch den Waffenhandel ebenso wie im täglichen Miteinander. Es beginnt im Denken und äußert sich durch die Sprache: Drohungen, Beleidigungen, Diffamierung und Diskriminierung. Lasst uns als Christinnen und Christen gegensteuern! Mit einem wachen Blick und offenen Ohren. Lasst uns die verbalen Steine aus den Händen legen. Lasst uns den Frieden suchen und selber aktiv zum Frieden beitragen. Lasst uns den in Gedanken, Worten und Werken Kriegstreibern begegnen mit Widerspruch, Sachlichkeit und Gebeten.

Im September läuteten unsere Ellefelder Glocken wie schon im letzten Jahr am Internationalen Tag des Friedens für den Frieden in der Welt. Das Ellefelder Geläut ist im besonderen Maß ein Friedensgeläut: Gleich zweimal weist die Glockenzier auf den Frieden hin: „Christus ist unser Friede“ (Glocke I) – die Quelle, aus der Christinnen und Christen ihre Friedfertigkeit schöpfen, ist Christus. Er lebte Frieden und verbreitete Frieden: Friede sei mit euch! So lautet auch die Zier der dritten Glocke: „Haltet Frieden untereinander!“ Denn das ist die logische Konsequenz: Wer Frieden mit Gott hat, braucht niemandem mehr den Krieg zu erklären. Weder sich selbst noch anderen. Die „Waffenrüstung“ des Friedens besteht aus Wahrheit, Gerechtigkeit, dem Evangelium des Friedens, aus Glauben, Heil und Geist (Eph 6,14-17) oder mit den Worten von Paulus ausgedrückt: aus Glaube, Liebe und Hoffnung (1Kor 13,13).

Lasst uns das leben, was es heißt: „sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“! Denn Frieden ist auch 30 Jahre nach 1989 aller Mühe wert.

Ihre Pfrn. Dr. Mandy Rabe

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