Wort zum Sonntag Lätare

Liebe Mitglieder unserer Kirchgemeinde,

liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir müssen jetzt in dieser Zeit neue Wege finden, um miteinander zu kommunizieren, um uns auszutauschen. Denn das gemeindliche und gottesdienstliche Leben ist momentan sehr eingeschränkt. Deshalb möchte ich Euch mit diesem Brief einen kleinen und aufmunternden Gruß ins Haus schicken.

Zunächst grüße ich Euch mit einem Bibelvers aus Psalm 23, der uns allen  Zuversicht und Gewissheit schenken möchte: "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich." Auch und gerade in diesen Tagen und Wochen, wo uns die Corona- Krise in Atem hält und viele Menschen verunsichert, bleibt diese Zusage gültig. Wir dürfen uns auch in schweren und notvollen Zeiten, unserem himmlischen Vater anvertrauen. Wir dürfen ihn um Kraft und Stärke bitten, darum dass er uns trotzdem gnädig hindurchführen und hindurchtragen wird. Wir können ihm unsere Not klagen, ihm unsere Ängste und Sorgen bringen. Wir dürfen füreinander beten, und uns so auch ohne persönlichen Kontakt gegenseitig im Glauben und im Vertrauen stärken. Wir dürfen für die beten, die krank sind, dass sie wieder Heilung finden. Wir dürfen Gott aber auch in den Ohren liegen und zu ihm flehen, dass sich die Lage doch recht bald wieder entspannen und die Krise bald überwunden sein möge. Gott wird uns auch durch diese Zeit hindurchführen. Hat er es doch schon so oft getan, auch in viel größeren und weitaus schlimmeren Katastrophen und Epidemien, die die Menschheit erlebt hat. Lassen wir uns deshalb keine Angst machen oder gar in Panik oder Untergangsstimmung versetzen. Dafür gibt es keinen Grund! Überhaupt keinen! "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich." 

Sicher wir werden alle aus dieser Krise verändert hervorgehen.

Unser Miteinander, unser Land, diese Welt wird nach Corona eine andere sein.

Hoffen wir, dass sich danach vieles neu und vor allem zum Guten verändert. Dass wir aus dieser Zeit nachdenklicher ins Leben zurückkehren. Dass wir Menschen wieder aufmerksamer, einfühlsamer und solidarischer werden, auch im Umgang miteinander. Dass wir eben nicht alles selbstverständlich nehmen, dass wir die Dankbarkeit wieder stärker in den Mittelpunkt stellen und zufrieden werden mit dem, was wir haben. Es muss nicht immer  alles schneller, höher und weiter laufen. Es gibt Grenzen. Und wenn wir die überschreiten, werden wir früher oder später Schiffbruch erleiden oder eben einfach mal ausgebremst, so wie momentan. Ruhe, Bescheidenheit, Entschleunigung, das tut uns gut. Wir sind nicht die Herren und Macher der Schöpfung und des Lebens.

Unser Leben liegt in Gottes Hand. Die Schöpfung ist uns als großes Gut anvertraut zur Erhaltung und Pflege, nicht zum Raubbau und zur Zerstörung. Vielleicht entdecken wir das nach Corona wieder ganz neu. Vielleicht werden wir auch dafür wieder aufmerksamer und sensibler. Und noch etwas wünsche ich mir: Dass wir auch die Gottesdienste, unser Gemeindeleben ganz neu als einen reichen und unentbehrlichen Schatz entdecken und wieder mit neuer Freude und Dankbarkeit in die Kirche kommen. Das wäre doch schön.

Vergessen wir aber in dieser Zeit jetzt nicht die Menschen, denen es viel viel schlechter geht, bei uns, in unserem Land, auf dieser Welt. Es gibt nämlich noch schlimmere Katastrophen als Corona. Denken wir nur an die vielen hungernden Kinder in Afrika,  von denen ganz viele sterben oder auch die Krankheiten und Dürrekatastrophen in den so genannten Entwicklungsländern. Denken wir an den Krieg in Syrien, an die vielen Menschen, die auf der Flucht sind und und und. Die Krise hat uns in Europa im Griff. Deshalb: Vergessen wir darüber nicht die anderen Menschen, denen es weitaus schlechter geht, die viel viel schlimmer dran sind als wir.

Und es gibt neben Corona auch andere Dinge, auf die wir schauen sollten und die uns vielleicht ein wenig ablenken können. Dinge, die uns dankbar machen wollen: 75 Jahre Frieden in Deutschland, 30 Jahre Deutsche Einheit, um nur zwei Dinge zu nennen.

Zum Schluss noch eins: Ruft Euch gegenseitig an in den nächsten Tagen und Wochen. Schreibt Euch Briefe, Mails oder WhatsApps. Bleibt auf diese Weise miteinander in Kontakt. Muntert Euch gegenseitig auf. Zeigt so, dass Ihr Anteil aneinander nehmt. Redet dabei auch mal über schöne Dinge. Das tut gut! Ganz bestimmt!

 

So bleibt, behütet, gesegnet und Gott befohlen

Ihr/ Euer Pfarrer Michael Goll (Pfarramtsleiter unseres Schwesternkirchverhältnisses)